04/2025

Werkstattprofis

Top organisierte Betriebsabläufe

Text: Hartmut Malguth, Fotos: Henriette Malguth

Kfz-Meister Jörg Erichsen hat in seinem vorbildlich organisierten Werkstattbetrieb schlüssig nachvollziehbare Arbeitsprozesse entwickelt, die ein Höchstmaß an Effizienz bedeuten. Jedes Werkzeug, sämtliche Einzelteile und insbesondere Kleinteile und Verbindungselemente haben ihren angestammten Platz. Dadurch ist es möglich, mit einem kleinen Team versierter Profis die täglichen Abläufe stetig zu perfektionieren, um alle anfallenden Aufgaben im Interesse der Kundschaft zeitsparend und kostengünstig auszuführen.

Herr Erichsen, Sie führen diese Werkstatt als Nachfolger Ihres Vaters in 2. Generation – aus Überzeugung oder durch den sanften Einfluss Ihres Vaters?
Ich habe den Werkstattbetrieb eigentlich schon sehr früh kennen und schätzen gelernt, bekam aber zu DDR-Zeiten keine Möglichkeit, den Beruf auch zu erlernen. Daher habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und stattdessen von 1987 bis 1989 im Metallbau gelernt. 1994 haben wir damit begonnen, dieses Werkstattobjekt zu bauen und einzurichten. Seither bin hier tätig, habe 2000 meine Meisterfortbildung in Kfz-Technik und -Elektronik abgeschlossen, um dann zunächst mit meinem Vater zusammen den Betrieb fortzuführen. Am 1. Juni 2012 ist mein Vater in Rente gegangen und hat mir die Geschäftsführung übertragen.

Wie betrachten Sie die Möglichkeiten für Ihre Region, Personal oder auch Auszubildende zu akquirieren?  
Nahezu aussichtslos. Wenn man die Situation humorvoll umschreiben möchte, müsste man in den Werkstattkatalogen unseres Ersatzteilelieferanten WM eine eigene Bestellnummer für ausgebildete oder auszubildende Mitarbeiter des Kfz-Handwerks abdrucken, um darin entsprechendes Personal ordern zu können.

Zuversichtlich in Hinblick auf die nächsten Herausforderungen v.l.n.r.: Jörg Erichsen, Kristin Seiler, Marco Gnauck und Dieter Erichsen.

Sie haben im Metallbau gelernt. Kann man daraus ableiten, dass sämtliche Karosseriebauarbeiten in Ihrem Hause Chefsache sind?
Instandsetzungen dieser Art werden in der Tat von mir persönlich ausgeführt. Nur Lackierungen lassen wir professionell von einem befreundeten Betrieb hier in Bischofswerda erledigen. Das ist im Grunde auch schon die einzige Kfz-Reparaturleistung, die wir nicht bei uns im Hause abdecken.

Wie würden Sie dieses Spektrum konkret beschreiben?
Nun – das beginnt eigentlich schon mit unserem Abschleppdienst, setzt sich fort über weitreichende Werkstattleistungen wie Elektronik, Reparaturen für Pkw und Lkw, Karosserie, Inspektion, Hauptuntersuchungen, Reifenservice und letztlich die Fahrzeugentsorgung. Wir betreiben einen eigenen Schrotthandel und verkaufen darüber hinaus online Gebrauchtfahrzeugersatzteile.

Die komplett klimatisierte Werkstatt beeindruckt durch Funktionalität, Ordnung und anspruchsvolle Technik in allen Belangen – hier im Pkw-Bereich…

Gilt Ihre Zuständigkeit als Abschleppdienst auch für den Autobahnabschnitt der A 4?
Ja – wir arbeiten dazu auch eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen und sorgen für die Sicherstellung von Fahrzeugen bei Unfällen mit Todesfolge, Fahrzeugdiebstahl oder ähnlichen Delikten. Das ist nur einem dafür zertifizierten Abschleppservice erlaubt. Dazu habe ich im zweiten Lebensabschnitt noch meinen Speditionsfachwirt gemacht. Hinzu kommt noch, dass wir diese Dienstleistungen auch für Elektroautos erbringen. Wir verfügen über einen speziellen Hänger sowie die entsprechende S3-Qualifikation. Dadurch dürfen wir Akkus ausbauen, Elektrofahrzeuge entsprechend instandsetzen oder auch verschrotten.

Kristin Seiler ist die gute Seele des Büros und behält auch bei großem Arbeitspensum stets die Übersicht und gute Laune.
Auch mit 76 Jahren unterstützt der Seniorchef das Team noch täglich im Betrieb.

Welches Leistungsspektrum zeichnet Sie aus?  
Grundsätzlich reparieren wir nahezu alles, was zischt und brummt – inkl. Lkw bis zu 12 t zulässigem Gesamtgewicht.

Wie schaffen Sie das alles mit dem zur Verfügung stehenden Personal?  
Organisation, Motivation und gute Werkstatttechnik sind alles!

Sie befinden sich hier im Einzugsgebiet zu Polen. Sind Sie dadurch Nutznießer für gute Fachkräfte aus dem Nachbarland?      
Man verdient dort mittlerweile schon so gut, dass hier keine Bewerber vorsprechen, weil sich ein notwendiger zweiter Wohnsitz oder die Fahrtkosten für Pendler einfach nicht rechnen. Außerdem sind Arbeitgeber aus der Industrie deutlich interessanter und zahlungskräftiger...

Wie beziffern Sie die prozentuale Auslastung Ihrer Werkstatt durch Unfallfahrzeuge, die Sie über Ihren Abschleppservice in den Betrieb bekommen?
Etwa bei 10 bis 15%. Die meisten Fahrzeuge weisen erhebliche Karosserieschäden auf, sind nicht mehr reparabel oder werden zu Ermittlungszwecken von der Staatsanwaltschaft wieder abgeholt.

Wieweit reicht Ihr Einzugsgebiet?
Bis Dresden, Neustadt, Pirna und Bautzen.

Das ist bemerkenswert…
Die Gründe dafür liegen sicherlich auch darin, dass wir uns hier in unmittelbarer Nähe zur A 4 befinden. Im Verlaufe der Jahre haben wir schon das eine oder andere Fahrzeug mal mit einer Panne abgeschleppt und anschließend hier repariert. Wir helfen dann auch gern mit einem Werkstattersatzfahrzeug, der Kunde bleibt mobil und holt später sein eigenes Auto wieder bei uns ab.
Dazu kommt, dass wir oft weiterempfohlen werden, und über leistungsstarke Hebebühnen verfügen, die auch für Reisemobile geeignet sind. Vor der Coronazeit haben wir die komplette Werkstatttechnik modernisiert. So haben wir für optimale Arbeitsbedingungen die Werkstatt und unseren Kundenbereich komplett klimatisiert.

Top-Mechatroniker Marco Gnauck bringt sich seit vielen Jahren mit vorbildlicher Leistungsbereitschaft und Freude am Detail in die Werkstattabläufe ein. In Sachen Elektronik ist er ein Fuchs.

Apropos Einzugsgebiet: Kundennähe definiert sich mitunter nicht allein über die Entfernung…
Genau! So ergeht es uns bei der Auswahl unserer Geschäftspartner: Unser Teile- und Techniklieferant WM pflegt den guten Kontakt zu uns als Werkstatt. Alles läuft fair und familiär ab. Man kann sich aufeinander verlassen. Davon profitieren alle Beteiligten – ganz im Sinne von Fairness und Leistung!  

Ein guter Abschluss unseres Gesprächs.
Vielen Dank für diese Einblicke in Ihr Unternehmen!

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