03/2023

Mit Konzept zum Erfolg

Wie man mit Durchhaltevermögen letztlich seinen Weg findet

Text und Fotos: H.Malguth

Der Werdegang von Birgit und Marc Seidenstricker ist gekennzeichnet von exemplarisch wechselvollen Rahmenbedingungen, wie viele kleinere Unternehmen auch fernab der Kfz-Branche sie immer wieder durchlaufen. Wie wichtig es dabei ist, an die Chance zu glauben, dass man sein Glück in die eigenen Hände nehmen muss, um erfolgreich zu werden, spiegelt das nachfolgende Gespräch mit dem Inhaberpaar wider.

Eingangs unseres Gesprächs erinnert sich Marc Seidenstricker an anfänglich harte Zeiten, als sein Vater den einstigen Ein-Mann-Betrieb in jenem Bewusstsein führte »Hoffentlich fährt das nächste Fahrzeug nicht einfach nur vorbei, sondern macht auf unserem Gelände halt.« Damals liegt das Gewerbegebiet des Örtchens Altrip im bedeutungslosen Niemandsland auf der Landkarte. So verirren sich nur selten Kunden in die kleine Werkstatt, die gut 13 km südlich von Mannheim angesiedelt ist.
Das hält Marc Seidenstricker seinerzeit nicht davon ab, den Beruf des Automechanikers bei Ford zu erlernen. Die Absicht, den Betrieb seines Vaters Klaus zu übernehmen, verfolgt er aber anfangs nicht. Stattdessen absolviert er seine Weiterbildung zum Kfz-Meister.

Birgit Seidenstricker legt großen Wert auf harmonische Teamarbeit (hier mit Kfz-Meister Christian Oswald).

Wann setzte das Umdenken bei Ihnen ein?
Nachdem ich in meinem damaligen Wirkungskreis mehrfach die Erfahrung machen musste, dass auch dort nicht alles Gold war, das glänzte. Das führte mich zu der Erkenntnis, dass es möglich sein musste, sich und die eigene Ideologie im väterlichen Betrieb authentischer zu definieren.

Ab 1996 durchlebten wir in dieser Konstellation alles andere als konfliktfreie zwei Jahre, weil sich unsere Sichtweise doch erheblich voneinander unterschied. 1998 war es dann meine Mutter, die meinen Vater dazu bewegte, mir die Verantwortung für den Betrieb zu überschreiben. Fortan war er bis 2005 als angestellter Meister hier tätig und konnte erstmals eine halbwegs geregelte Arbeitszeit genießen. Für die Kunden war er weiterhin der Chef, aber die andauernden Diskrepanzen zwischen uns gehörten der Vergangenheit an.      

Dank der salomonischen Fähigkeiten Ihrer Mutter…  
Exakt. 2002 kam dann Ford auf uns zu, um uns zu unterbreiten, dass unser Ende als klassische Vertragswerkstatt eingeläutet würde. Wir sollten uns deren Gunst, unseren Betrieb unter dem Ford Emblem als Agentur fortzuführen, damit erkaufen, 100.000 Euro zu investieren, um deren CI-Kriterien zu erfüllen. Grundsätzlich waren wir dazu bereit. Als es jedoch um die Forderung ging, unser soeben frisch renoviertes Kunden-WC mit den seitens Ford vorgeschriebenen Fliesen neu zu kacheln, ist mir dann der Kragen geplatzt! Ich habe die Verhandlungen für erledigt erklärt, nachdem feststand, dass Ford die Kündigungszeit von drei Jahren einzuhalten hatte. Damit war die Entscheidung gefallen, künftig als freie Werkstatt weiterzumachen.

Das Inhaberpaar Seidenstricker mit Sohn Jan.

Wann wurden Sie Zeitzeugin dieser Umstände, Frau Seidenstricker?
Das war 2000. Ich bin gelernte technische Zeichnerin und war bis 1999 bei der BASF als Informationstechnikerin angestellt. Als unser Sohn Jan geboren wurde, nutzte ich die Option, bis zu sechs Jahre Erziehungsurlaub in Anspruch zu nehmen. Es war für uns auch eine Art Testphase, um zu erproben, inwieweit wir hier in der Werkstatt harmonieren. Das Ergebnis spricht für sich: Es ist dabei geblieben...

Wie ging‘s dann weiter, Herr Seidenstricker?
Nun, es war uns seitens Ford nicht erlaubt, dass ich als Inhaber parallel deren Vertragswerkstatt und gleichzeitig eine freie Werkstatt betreibe. So waren wir gezwungen, im selben Haus auf den Namen meiner Frau ab 2002 eine freie Werkstatt zu eröffnen. Wenn ein Kunde mit seinem Ford zu uns kam, lief der Auftrag über meine Firma, alle übrigen Fahrzeuge wurden über den Betrieb meiner Frau bedient. Das bedeutete: Dasselbe Personal war sowohl für Firma A wie für B tätig, aber fein säuberlich getrennt durch zwei unterschiedliche Buchhaltungen. Die freie Werkstatt firmierte unter dem Konzept Auto Crew. Das lief über einen längeren Zeitraum auch wirklich sehr gut, bis das Konzept von einem anderen Großhändler übernommen wurde. Fortan sollten wir dann ausschließlich technisches Equipment eines bestimmten Anbieters anschaffen. Das kam für uns überhaupt nicht infrage. Somit sahen wir uns gezwungen, uns abermals neu zu orientieren: Wieder ein neues Konzept. 2018 schließlich begründeten wir die bis heute bestehende Kooperation – wiederum gleichbedeutend mit der Maßgabe, künftig als AUTOteam plus Kfz-Servicewerkstatt zu firmieren. Das hat bis heute Bestand, und wir sind mit dieser Konstellation außerordentlich gut zufrieden.

Woran machen Sie dieses Urteil fest?
Dank unseres jetzigen Großhändlers, der WM SE, erfahren wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Es basiert zwar auch alles auf vertraglichen Vereinbarungen, aber es existiert keine Bevormundung in Form von sinnfreien Vorschriften. Außerdem erhalten wir eine zuvor nicht gekannte Unterstützung durch den Außendienst sowie eine transparente Plattform, um uns mit Partnerwerkstätten auszutauschen. Apropos Partner: Da möchte ich auch die großartige Idee loben, in regelmäßigen Abständen Partneraktionen für gleichgesinnte Werkstattbetriebe zu organisieren. Das zeugt von Innovationsfreude und dient uns Werkstätten als Belohnung für unsere alljährlichen Anstrengungen.

Sie agieren hier als Werkstatt in einer wunderschönen Urlaubsregion. Da liegt die Vermutung nahe, dass eine Ihrer Kernkompentenzen der Service an Reisemobilen sein muss...
Könnte man so assoziieren. Unsere Ausstattung wie die Arbeitsgrube erlaubt uns tatsächlich, diese Fahrzeuge fachmännisch zu warten. Allerdings tummeln sich hier zahlreiche Anbieter für Wohnmobile, die ebenfalls diesen Service anbieten. Daher stellt dieses Segment jetzt keine dominierende Rolle dar.
Wir betrachten es als willkommenes Zubrot.

Das Team des Autohauses Seidenstricker, v.l.n.r.: Peter Siebert, Marc und Birgit Seidenstricker, Till Weisenbach und Christian Oswald

Wie läuft der Fahrzeugverkauf?
Präsentiert sich aktuell nicht als unsere Top-Einnahmequelle! Die Preise für Fahrzeuge sind extrem hoch, der Markt extrem leer. Und die Kunden, die sich für ein E-Mobil interessieren, kaufen aufgrund der staatlichen Förderpolitik beim Markenhändler.

Aber Sie erfüllen dank des Know-hows Ihres Teams die Voraussetzungen, Elektrofahrzeuge zu warten?
Das auf jeden Fall!



Weshalb haben Sie sich für das Konzept AUTOteam plus entschieden?
Birgit Seidenstricker: Als uns die zur Auswahl stehenden Konzepte vorgestellt wurden, gab es für uns keine zwei Meinungen: Das leuchtende Grün hatte es uns sofort angetan. Es ist einfach mal etwas anderes als alle bisher verwendeten Signalisationen und verleiht dem Betrieb eine unverwechselbare Frische. So schön war der Betrieb noch nie (zustimmendes Nicken in der Runde)!

Sie schilderten uns, dass die Werkstatt anfänglich zeitweise keine optimale Auslastung verzeichnete. Wodurch hat sich das gebessert?
Marc Seidenstricker: Insbesondere durch unsere Service-plus-Kundenkarte. Das ist eine Initiative von uns, die nichts mit dem Konzept zu tun hat. Dabei handelt es sich um eine Bonuskarte, auf der wir Inspektionsintervalle vormerken und dem Kunden bei Wiedervorführung des Fahrzeugs prozentuale Vergünstigungen und Rabatte einräumen.

Statt zu delegieren, erklärt Marc Seidenstricker gern manche Aufgabe ganz unkonventionell zur Chefsache..

Ein vielseitiges Kundenbindungselement, das Ihnen eine höhere Auslastung und den Kunden finanzielle Anreize verschafft...
Ganz genau. Und dadurch, dass wir dann auch terminliche Vereinbarungen treffen, wird die Werkstattauslastung planbarer.

Das heißt, dass die Kunden dann innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters in den Genuss der finanziellen Vorteile kommen?
So ist es. Auf diese Weise wissen wir relativ exakt, wieviele Inspektionen wir beispielsweise im Monat Mai, Juni oder November einzuplanen haben.

Innovative Ideen, die wenig Geld kosten, sind bekanntlich die effizientesten. Ein Beispiel, das sich andere Werkstätten zunutze machen sollten.

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