04/2025

BRÜGGE

Unesco Welterbe in Belgien

Text: Hartmut Malguth, Fotos: Henriette Malguth

Blick auf den Grotemarkt mit dem Provinzialhof, wo die Provinzialregierung Westflanderns ihren Amtssitz hat. Links davon befindet sich das Tourismusbüro. Dieser Platz war schon in früheren Jahrhunderten der zentrale Platz Brügges. Damals konnte man ihn noch auf dem Wasserweg erreichen.

Seit 2000 gilt die gesamte Innenstadt von Brügge als Weltkulturerbe. Die europäische Kulturhauptstadt von 2002 ist ein herausragendes Beispiel einer mittelalterlichen Stadt, die ihre historische Struktur bewahren konnte, weil sie in Kriegszeiten von Kampfhandlungen verschont geblieben ist. Brügge beherbergt eine stattliche Anzahl von Patrizierhäusern. 300 von insgesamt 10.000 Gebäuden wurden als Baudenkmäler klassifiziert.

Der Glockenturm Belfort, erbaut im 13./14. Jahrhundert.

Im Mittelalter galt die 120.000 Einwohner zählende Stadt als eines der wichtigsten Handelszentren Europas, was insbesondere der seinerzeit bedeutsamen Textilindustrie geschuldet ist. Intensiven Handelsbeziehungen zu Kaufleuten aus vielen Ländern verdankt Brügge, dass hier der Grundstein zur ersten Börse der Welt gelegt worden ist.

Wer Brügge auf eigene Faust erkunden möchte, dem bieten sich dafür zahlreiche Möglichkeiten und sogar Segway-Touren oder Kutschfahrten an. Ansonsten empfiehlt sich auch eine Bootstour, um die Stadt zu erkunden. Zahlreiche Kanäle (die sogenannten Reien) durchziehen das Stadtbild und ermöglichen vom Wasser aus eine ureigene Sicht auf die verschiedenen Sehenswürdigkeiten.

Apropos Bootsfahrt: Wer sich aufs Wasser begibt, wird vermutlich auch den fotografischen Hotspot, die Bonifaziusbrücke, unterqueren. Diese in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gruuthuse Palast gelegene Steinbrücke dient vielen Touristen als Schauplatz für persönliche Schnappschüsse, obwohl sie selbst erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde und somit nur bedingt historischen Charakter aufweist. Influencer auf Instagram und TikTok haben der beschaulichen Brücke zu multimedialem Ruhm verholfen.

In Belgien unterhält man sich offiziell in drei Sprachen: Niederländisch, Französisch und Deutsch. Brügge liegt im niederländischen Sprachgebiet, doch viele Einwohner beherrschen zumindest noch eine weitere Sprache.

Die Stadt bekennt sich zu ihrem Status als »Schokoladenhauptstadt«. So wird eigens dafür ein Schokoladenfestival veranstaltet. Wer es individueller möchte, dem sei eine professionelle Führung empfohlen, wo man mit Fakten über Schokolade und Pralinen versorgt wird. Gegen einen Preisaufschlag von 5 Euro pro Person lassen die Chocolatiers entsprechende Kostproben zu, um Brügge sprichwörtlich von seiner Schokoladenseite zu zeigen.

Die St. Salvatorkathedrale oder auch Sint-Salvatorskathedraal gehört ohne Zweifel zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Brügge. Die älteste Gemeindekirche Brügges wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet. Dank der prunkvollen Einrichtung der Kirche sind Gottesdienste hier stets ein Erlebnis. Die Schatzkammer der Sint-Salvatorskathedraal beherbergt zudem zahlreiche Kunstwerke altflämischer Meister.

Darüber hinaus gilt die Stadt auch als ultimatives Ziel für Feinschmecker und gepflegte Gastlichkeit. Dabei reicht das Spektrum von renommierten Sterneküchen und traditionellen Kneipen bis hin zu Eisdielen und zeitgenössischen Mittagslokalen oder originellen Brunch-Adressen. Viele europäische Spitzenköche stehen in Brügge am Herd. Das begründet seinen Ruhm auf der kulinarischen (Welt-)Karte mit zahlreichen Eintragungen im Michelin-Führer, im Gault & Millau und im Bib Gourmand. Wer abends in Brügge ausgehen möchte, um gemütlich etwas zu trinken, der findet in den vielen Bars, stimmungsvollen Cafés und originellen Cocktailbars bestimmt etwas nach seinem Geschmack.

Auch für Shopping-Begeisterte hat die Stadt einiges zu bieten. Als erste Adresse haben sich die Geschäfte in der Steenstraat bei Besuchern und Einheimischen etabliert.

All jenen, die dem Einkaufsbummel nicht so aufgeschlossen gegenüberstehen, sei ein Besuch der Brauerei »De halve Maan« empfohlen. Diese seit 1856 bestehende Institution schenkt das würzige Brügger Stadtbier »Brugse Zot« aus, das mit einer speziellen Hefe gebraut wird. Tauchen Sie ein in diese süffige Kombination aus traditionellem und modernem Bierbrauen. Sachkundige und freundliche Führer begleiten Sie dabei und erklären in einfachen Schritten den Brauprozess.

Parken ist einfach und kostenlos auf den Parkplätzen am Rand der Innenstadt sowie auf den Park & Rides außerhalb des Stadtzentrums möglich. Die umliegenden Parkplätze sind vom Stadtzentrum aus zu Fuß erreichbar. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen Sie schnell zum Bahnhof (20 Min. Fußweg zum Marktplatz) oder zum ‘t Zand-Platz (10 Min. Fußweg zum Marktplatz). Ladestationen finden Sie auf den folgenden oberirdischen Parkplätzen rund um das Stadtzentrum von Brügge: Parkplatz am Rand der Innenstadt Coiseaukaai, Parkplatz am Rand der Innenstadt Magdalenastraat, Park & Ride Waggelwater und Park & Ride Jan Breydel.

© Jan de Hondt

In Brügge ist das Übernachten in Wohnmobilen, Campinganhängern oder Zelten auf öffentlichen Straßen, im Wald, in den Dünen oder am Strand verboten. Ausnahmen sind explizit ausgewiesen. Dazu zählen die anerkannten Autocampingplätze auf Höhe der Insel Kanaaleiland und der Campingplatz Memling.

Der Rosenkranzkai (Rozenhoedkaal) gilt dank Instagram als eine Top-Location für Schnappschüsse.

Wo Sie Ihr Wohnmobil parken können, hängt wiederum von seinem Gewicht ab. Im Stadtzentrum gilt ein Parkverbot für alle Fahrzeuge über 3,5 t. Leichtere Fahrzeuge dürfen im Stadtzentrum und außerhalb davon überall dort parken, wo es nicht ausdrücklich verboten ist.

Wie es die hier wiedergegebenen Impressionen schon zum Ausdruck bringen: Brügge ist gerade dort am schönsten, wo man nicht direkt mit dem Auto oder Reisemobil hinfahren kann...

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