Alles kann, nichts muss
Ein funktionierendes Erfolgskonzept dank bayerischer Gelassenheit
Text und Fotos: H. Malguth
30 km westlich von Würzburg, direkt an der A 3 gelegen, bewegen wir uns ins beschauliche Örtchen Triefenstein. Wer schon mal das benachbarte Outletcenter Wertheim Village angesteuert hat, dem sollte die Region bekannt vorkommen. Unsere Aufmerksamkeit gilt heute dem Familienbetrieb von Peter und Matthias Maierhofer, die in der Gemeinde Lengfurt eine freie Werkstatt betreiben.

Matthias Maierhofer hat sich auf unseren Besuch akribisch vorbereitet und empfängt uns daher mit einem klaren Ablaufkonzept. Angefangen vom visuellen Nachstellen einer Pannensituation (Reifenwechsel), eines Einsatzes des Abschleppwagens, über die Demonstration des Lichteinstellplatzes bis hin zur Achsvermessung überlässt er nichts dem Zufall, um seinen Betrieb professionell zu präsentieren.
Der Bereich des Kundenempfangs erweist sich dabei als Nadelöhr. Sofort kann man die Gedanken nach einer bereits geplanten Firmenerweiterung komplett nachvollziehen. Der Bauantrag ist bereits gestellt. Nur der auf dem Nachbargrundstück angebaute Mais steht dem Vorhaben quasi noch im Wege.

Wer die dahinter liegenden Räumlichkeiten der Werkstatt betritt, findet für die Aussage vom »Raum ist in der kleinsten Hütte« die sprichwörtliche Herkunft. Auf beeindruckende Art und Weise ist es den Betreibern jedoch gelungen, die nahezu komplette Palette an Werkstattausrüstung hier unterzubringen: Ob Kundendirektannahmeplatz, Achsmessstand, Lichteinstellgerät oder verschiedene Hebebühnen – es ist tatsächlich alles vor handen. Und im Zentrum des Geschehens präsentiert sich die stets gut ausgelastete Lackierkabine, die auch während unseres Aufenthalts rege genutzt wird.

Wie gewichten Sie die Auslastung von Lackierkabine und Werkstatt?
Matthias Maierhofer: Ziemlich genau 50 zu 50. Aber Sie sehen es ja selbst: Hier ist mittlerweile alles sehr beengt. Daher freuen wir uns schon sehr darauf, wenn es mit dem Erweiterungsbau demnächst losgeht.
Wir erfahren, dass das Unternehmen extrem breit aufgestellt ist: Neben den klassischen Serviceleistungen wie TÜV-Abnahme, Inspektionen und Bremsendienst bietet der Betrieb mit den bereits erwähnten Lackierungen auch fachlich versierte Karosserie- und Getriebe-Instandsetzungen, Car-HiFi, Tuning, Oldtimerrestaurierungen, Reisemobilservice sowie den 24-Stunden-Bereitschaftsdienst mit firmeneigenem Abschleppfahrzeug an.

Ihr Vater hat das Unternehmen als Karosserie- und Lackierbetrieb gegründet. Wie haben Sie sich dann später hier eingebracht?
Im Grunde habe ich das gesamte Spektrum rund um die Kfz-Elektrik und -Mechatronik und die zugehörige Technik zu verantworten. Auch die optische Modernisierung der Gebäude mit dem heutigen Erscheinungsbild habe ich dann vor ca. zwei Jahren veranlasst. Hinzu kam dann die Entscheidung für das Werkstattkonzept, das uns insbesondere technisch die notwendige Grundlage bietet, Dienstleistungen anzubieten wie es davor nur die Vertragswerkstätten konnten.

Bilden Sie auch hier im Betrieb aus?
Ja, sogar in allen drei Fachrichtungen: Karosseriebau, Lackierung und Mechatronik.
Die Oldtimerrestaurierung zählt offenbar auch zu Ihren Spezifikationen...
Die Arbeiten an diesen Fahrzeugen lassen sich bei uns recht gut in den wöchentlichen Werkstattablauf integrieren – insbesondere, wenn es mal ruhigere Phasen gibt. Da diese aber bei uns eher selten vorkommen, schaffen wir auch nur maximal zwei Oldtimer pro Jahr.
Seit wann bieten Sie den Abschleppdienst an?
Tatsächlich erst seit dem 1. März 2021.
Können Sie schon über die notwendige fachliche Qualifikation für den Service an E-Mobilen vorweisen?
Ja, die erforderliche Hochvolt-Weiterbildung haben sowohl ich als auch einige Mitarbeiter bereits absolviert.

Herr Peter Maierhofer, heute können Sie mit Stolz auf die Firmenentwicklung zurückblicken. Wie ging das damals bei Ihnen los?
1985 habe ich zunächst in heimischer Umgebung damit angefangen, Fahrzeuge zu reparieren. Mit dem Bau der jetzigen Werkstatt elf Jahre später hat sich das Unternehmen vom klassischen Ein-Mann-Betrieb zu einer Firma mit Auszubildenden und eigenen Mitarbeitern weiterentwickelt. Im Jahre 2010 ist dann Matthias nach absolvierter Meisterschule und seinem Technikerabschluss dazugekommen und hat die Werkstatt dann sukzessive erweitert.

Wie teilen Sie sich die Kompetenzen im Betrieb?
Matthias Maierhofer: Mein Vater ist ja Meister des Karosseriehandwerks und darf demzufolge in diesem Tätigkeitsfeld auch Lackierer ausbilden. Ich selbst bin ja Kfz-Meister und für die Abläufe, Mitarbeiter und Auszubildenden in der Werkstatt zuständig. Insbesondere dieser Konstellation verdanken wir den glücklichen Umstand, das benötigte Personal selbst ausbilden zu können. Unser familiäres Betriebsklima trägt dazu bei, dass wir den einen oder anderen begabten Ex-Azubi auch längerfristig in unser Team integrieren können.

Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Um unser Leistungsspektrum künftig noch effizienter und mit der notwendigen modernen Ausrichtung anbieten zu können, fehlt uns eigentlich nur noch der in Planung befindliche Erweiterungsbau.
Welche Rolle kommt dabei dem Lackierbetrieb zu?
Wir haben uns die Kooperation mit nahezu allen in der Region befindlichen Autohäusern vertraglich zusichern lassen. Da diese Betriebe über keine eigene Lackiererei verfügen, beauftragen sie uns exklusiv mit Lackaufträgen, was uns eine solide Grundauslastung garantiert.
Wie erfolgreich entwickelt sich eigentlich Ihr Rund-um-Service für Reisemobile?
Sehr gut. Seit letztem Jahr registrieren wir hier einen starken Aufwärtstrend. Mittlerweile hat sich der Bereich zu einer attraktiven Größe entwickelt.
Zum Glück verfügen Sie über eine entsprechend hohe Halle, die es Ihnen möglich macht, diese Fahrzeuge zu warten. Haben Sie in Sachen Hebetechnik noch Investitionsbedarf?
Aktuell sind wir da bei 5 t, aber da haben wir in Zukunft durch ergänzende Investitionen bestimmt noch Luft nach oben (lacht).
An dieser Stelle müssen wir die Wiedergabe des Interviews und Thomas Schmidts Ausführungen leider abkürzen. In Wahrheit hat er uns noch weitere zwei Stunden anschaulich unterhalten. Um kurz nach 18:00 Uhr ist er mit den Schilderungen seiner Aktivitäten neben dem Kfz-Betrieb mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade mal bei 50% angelangt. Aus diesem Grunde lohnt sich ein Folgebesuch in der Lüneburger Autostube vermutlich in Zukunft auch für uns (Anm. d. Red.).
Auf bald, Herr Schmidt, bleiben Sie so unternehmungslustig und gesund!
Wir wünschen Ihnen alles Gute!